Kooperation im Bereich Elektromobilität

Zweiter Batteriezellen-Verbund in Europa: Nach einem ersten deutsch-französischen Konsortium startet jetzt eine zweite europäische Kooperation bei der Fertigung von Batteriezellen.

Schon im Frühsommer dieses Jahres war bekannt geworden, dass es in Europa künftig ein Konsortium für die Produktion von Batteriezellen geben wird. Die EU-Kommission räumt der Herstellung von Batterien für Elektroautos eine hohe Priorität ein. Nun haben sich Vertreter von Regierungen aus neun europäischen Staaten und rund 30 Unternehmen getroffen und das Arbeitsprogramm für einen zweiten europäischen Batterieverbund beschlossen. Neben Deutschland und anderen Nationen sind auch die Nachbarländer Frankreich, Polen und Belgien an dem Arbeitsprogramm beteiligt. Dieses soll ausarbeiten, welche Aufgaben den beteiligten Unternehmen zukommen sollen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier über die positive Entwicklung eines seiner wichtigsten Projekte:

Deutschland und Europa müssen zukünftig auch selbst wettbewerbsfähige, innovative und umweltschonende Batteriezellen entwickeln und herstellen. Diesem Ziel sind wir [....] wieder ein gutes Stück näher gekommen.

Deutschen Unternehmen kommt wichtige Rolle zu

Welche Unternehmen genau daran beteiligt sein sollen, war zunächst nicht klar. Laut Informationen des "Handelsblatts" sollen unter anderen die deutschen Firmen BMW, BASF und Varta an dem internationalen Projekt beteiligt sein. Eine Bestätigung seitens des Bundesministeriums gab es bisher nicht. Bundeswirtschaftsminister Altmaier erklärte, dass es gelungen sei, innerhalb eines Jahres zwei europäische Großprojekte zu starten. Sie gelten als "Important Projects of Common European Interest" (IPCEI).

Am ersten Konsortium für die Herstellung von Batteriezellen, zwischen Deutschland und Frankreich, beteiligt sich der Rüsselsheimer Autobauer Opel. Weitere Partner sind die Opel-Muttergesellschaft PSA und die Firma Saft, ein französischer Batterieproduzent.

Förderung durch Bundeswirtschaftsministerium

Das Bundeswirtschaftsministerium fördert den Aufbau einer Batteriezellfertigung bis 2022 in Höhe von einer Milliarde Euro. Durch die Förderung soll Deutschland als Technologiestandort für die Batterieproduktion gestärkt und eine wettbewerbsfähige Produktion etabliert werden. Mit Hinblick auf den geplanten Kohleausstieg heißt es, dass in Deutschland besonderer Fokus auf Regionen liege, die vom Strukturwandel betroffen seien.

Schon im vergangenen Jahr kündigte Altmaier an, dass Hersteller, die sich zu Joint Ventures zusammenschließen, Geld aus diesem Topf erhalten. Erst heute teilte die Volkswagen AG und der schwedische Batteriehersteller Nothvolt mit, künftig in einem 50/50 Joint Venture zusammenzuarbeiten. Gemeinsam soll eine Fabrik zur Produktion von Lithium-Ionen-Batterien aufgebaut werden. Plan ist, das Werk noch 2020 in Salzgitter zu errichten. Start der Produktion soll der Jahreswechsel 2023/24 sein. Rund 900 Millionen Euro lässt sich Volkswagen die Entwicklung der Batterieproduktion kosten.

Noch ist Asien Spitzenreiter

Deutsche Hersteller kaufen derzeit meist Batteriezellen aus Asien und bauen diese selbst zu großen Akkus für Elektroautos zusammen. Weltweit werden rund 84 Prozent der Batterien für Elektroautos in Asien produziert. Auf Europa fallen hier nur drei Prozent. Eine Fertigung in Deutschland galt bisher als zu teuer. Es wird aber eine zu starke Abhängigkeit von Zulieferern befürchtet. Außerdem spielen Batteriezellen in der Wertschöpfung im Automobilbau eine wichtige Rolle. Denn rund ein Drittel der Wertschöpfung eines Elektroautos entfällt auf die Batteriemodule.

Nachfrage nach Batteriezellen steigt

Immer mehr Automobilhersteller setzen auf die Zukunft des Elektroautos. Porsche stellte gestern sein neues E-Flaggschiff, den Porsche Taycan vor, Volkswagen will in den kommenden zehn Jahren beinahe 70 neue E-Modelle auf den Markt bringen. Allein in Deutschland wurden im vergangenen Jahr 36.062 Elektroautos neu zugelassen. 2015 lag die Zahl der Neuzulassungen noch bei 12.363 Fahrzeugen. Europaweit wurden im zweiten Quartal 2019 nach Angaben des europäischen Automobilverbands ACEA 98.553 Elektro-Autos zugelassen, was einem Plus von 35,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Zweiter europäischer Batteriezellenverbund

Rund 30 Unternehmen aus neun europäischen Staaten haben gerade ein Arbeitsprogramm für einen europäischen Batterieverbund geschlossen. Dieses soll festlegen, welches Unternehmen welche Aufgaben übernimmt. „Deutschland und Europa müssen zukünftig auch selbst wettbewerbsfähige und umweltschonende Batteriezellen entwickeln und herstellen“, sagt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

Von Marc Stephan, ARD.de

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