Opel plant Teilverkauf von Entwicklungszentrum in Rüsselsheim

Der Autobauer Opel prüft, Teile seines Forschungs- und Entwicklungszentrums in Rüsselsheim an das französische Unternehmen Segula Technologies abzugeben.

Der Chef des Opel-Eigentümers PSA, Carlos Tavares, setzt auf die Unterstützung der Arbeitnehmer für den Teilverkauf des Zentrums, in dem zuletzt ein deutlicher Rückgang an Aufträgen verzeichnet worden war. Den Plänen zufolge würde Segula Technologies Anlagen der Fahrzeug- und Antriebsentwicklung übernehmen und dort auch Aufträge über den Automobilbereich hinaus annehmen - etwa aus der Bahn- oder Energiebranche. Den bis Juli 2023 vereinbarten Kündigungsschutz wolle das französische Unternehmen erhalten, erklärte Opel. Die mögliche strategische Partnerschaft steht demnach aber noch unter dem Vorbehalt weiterer Verhandlungen auch mit den Sozialpartnern sowie der Zustimmung des Aufsichtsrats.

PSA-Chef Tavares äußerte sich optimistisch über den geplanten Teilverkauf. Er erwarte sich "auf dem Wege der Mitbestimmung die Unterstützung der Arbeitnehmer", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom (Donnerstagsausgabe). Im Entwicklungszentrum gebe es wachsende Überkapazitäten. "Falls wir uns mit Segula einig werden, ist das richtig positiv", fügte er hinzu. "Die bisherigen Opel-Ingenieure behalten ihren Arbeitsplatz und ihren Wohnort." Die hessische Landesregierung erklärte, das Opel-Entwicklungszentrum sei ein unverzichtbarer Garant für den Fortbestand Opels als eigenständiger Marke. Es sei wichtig, dass möglichst große Teile des Zentrums bei Opel verblieben. Die Zukunftsfähigkeit könne allerdings "nur gelingen, wenn das Zentrum entsprechend ausgelastet ist", erklärten Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne). Nun sei es wichtig, dass Arbeitnehmerschaft und Betriebsrat "mitgenommen" würden, um eine verträgliche Lösung für alle Seiten zu erreichen.

Opel-Chef Michael Lohscheller sprach von einem "drastischen" Rückgang an Aufträgen durch externe Unternehmen im Entwicklungszentrum und äußerte sich zugleich zuversichtlich, dass die Partnerschaft auch tatsächlich zustande kommt. "Segula hat uns ein überzeugendes Zukunftsprojekt präsentiert", sagte er in einer Telefonkonferenz und bekräftigte: "Wir wollen die Arbeitsplätze in Rüsselsheim sichern." Entwicklungschef Christian Müller betonte, die Partnerschaft mit Segula Technologies könne es ermöglichen, die Entwicklungs-Infrastruktur im Forschungszentrum "vollständig auszulasten. Damit bekäme das Entwicklungsteam des Autobauers zugleich eine "solide Zukunftsperspektive". Bereits Anfang Juli war bekannt geworden, dass Opel einen Verkauf von Teilen des Zentrums plant. Der Autobauer schreibt seit Jahren Verluste. Deshalb hatte die französische PSA-Gruppe, die Opel im Sommer 2017 für 1,3 Milliarden Euro vom US-Hersteller General Motors (GM) übernommen hatte, dem Autobauer und seiner britischen Schwestermarke Vauxhall ein Sparprogramm verordnet. Damit soll der Autobauer bis 2020 wieder profitabel werden. Segula Technologies bietet Ingenieursdienstleistungen in der Automobilbranche aber auch in den Bereichen Luftfahrt und Verteidigung, Energie, Schienenverkehr, Marine, Pharmazie und Petrochemie an. Die Gruppe hat in 28 Ländern rund 11.000 Mitarbeiter. Die mögliche strategische Partnerschaft mit Opel bezeichnete Konzernchef Laurent Germain als "Schlüssel" für das Erreichen des Ziels, bis 2023 der "weltweit führende Dienstleister für automobile Lösungen zu werden".

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