Industrie 4.0 / Industrie du Futur: Welche deutsch-französischen Ergänzungen ?


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Am 10. Mai 2016 veranstaltete die Deutsch-Französische Industrie- und Handelskammer den ersten Deutsch-Französischen Tag zum Thema „Industrie 4.0 / Industrie du Futur“ im Espace Hamelin in Paris. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Markterschließungsprogramms für deutsche KMUs des  Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) statt, welches die AHK Frankreich mit der erfolgreichen Durchführung dieses Wirtschaftskooperationsprogrammes beauftragt hatte. Ziel dieses Zusammentreffens deutscher und französischer Unternehmensvertreter war es, sich zu den wichtigsten technologischen Entwicklungen auszutauschen und den Grundstein für die wirtschaftliche Zusammenarbeit von Morgen zu legen. Eine Vielzahl von Experten hatte so die Gelegenheit, über Innovationen, Tendenzen und Herausforderungen im Bereich der Digitalisierung der Wirtschaft zu diskutieren. Die Konferenz wurde von der deutsch-französischen Journalistin Anette Burgdorf moderiert.

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Der Tag begann mit einem Überblick des 4.0 Made in Germany: Nach dem Begrüßungswort von Jörn Bousselmi, Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Französischen Industrie- und Handelskammer (AHK Frankreich) gaben Raphaël Goldstein, Frankreichdirektor von Germany Trade and Invest GmbH (GTAI) und Dr. Olaf Sauer, Direktor des Fraunhofer Instituts in Karlsruhe ihre Einschätzung der Situation und sprachen über aktuelle Entwicklungen und Innovationen im Bereich Industrie 4.0 in Deutschland. Herr Goldstein legte zu Beginn dar, inwiefern der Großteil der mittelständischen Betriebe in Deutschland von der Digitalisierung betroffen sein wird: vor allem in den Bereichen Elektronik, Kabel- und Kabellosekommunikationssysteme, Verarbeitung der von Maschinen erhaltenen Daten und IT-Sicherheit. Er hob hervor, dass sich Deutschland mit 35 Mrd. € Investitionen pro Jahr das Thema 4.0 durchaus zu Herzen nehme. Trotz allem gilt es, weitere Hürden zu überwinden, die vor allem Normen und rechtliche Rahmenbedingungen sowie Datenauswertungssysteme und die Ausbildung des Personals betreffen. Dr. Sauer hob hervor, dass die deutschen Unternehmen verstanden haben, dass sie sich den Herausforderungen der Industrie 4.0 nicht allein stellen können. Stattdessen setzen sie auf Kooperationen in Form von Allianzen und Clustern wie it’s OWL. Das betrifft nicht nur den Mittelstand; auch große Konzerne kaufen beispielsweise KMUs auf oder gründen eigene Spin-Offs und Start-Ups, die mit Forschung und Innovation beauftragt sind.

Im Rahmen dieser Fachkonferenz stellte eine Delegation von zehn deutschen Unternehmen ihr Know-How im Bereich der Industrie 4.0. vor. Die ersten fünf Vortragenden waren die Repräsentanten des Exzellenz- Cluster it’s OWL und die der Firmen Tetra GmbH, Broetje Automation GmbH, Dynamic Components GmbH sowie Balluff GmbH. Im Anschluss konnten die Unternehmen Hager Electro GmbH & Co. KG, catkin GmbH, R3 Communications GmbH, Orbis AG und Virtalis GmbH wiederum ihr Know-How dem Publikum präsentieren.

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Nach dieser sehr konkreten Präsentation kamen Dorothée Kohler und Jean-Daniel Weisz – Gründer von KOHLER C&C und Autoren von einem Buch über die Industrie 4.0 [Industrie 4.0: Die Herausforderungen der Digitalisierung für das deutsche industrielle Modell] zu Wort. Mit ihnen wurde auch das sehr konkrete Thema der mit der Digitalisierung verbundenen Herausforderungen des Mittelstands erwähnt. Tatsächlich wirkt die Industrie 4.0 zwar attraktiv für deutsche KMUs, führt aber einige Schwierigkeiten mit sich, zum Beispiel was die Produktionsprozesse oder das Management angeht. Das größte Hindernis für den Mittelstand scheint immer noch die finanzielle Vorinvestition und insbesondere die mit der Rentabilität gebunden Risiken zu sein. Frau Kohler und Herrn Weisz betonten auch, dass Berufe und Aus- und Weiterbildungen ebenfalls von der Revolution 4.0 stark beeinflusst werden, da diese die Frage der Zusammenarbeit von künstlicher und menschlicher Intelligenz hervorruft.

Darauf folgte Dr. Eckart Frankenberger – Vize-Präsident von Airbus – der vor der Mittagspause ein Erfahrungsbericht vorstellte. Wenn es um Industrie 4.0 und Datenverarbeitung geht, muss man sich fragen inwieweit diese Daten digitalisiert werden sollen. Bei Airbus wurde eine ganze IT-Architektur eingeführt: Diese komplexe aber wesentliche Organisation ermöglicht die Kontextualisierung der Daten und diese Infrastruktur wird je nach Produktions- und Montageprozessen organisiert. Laut Herrn Dr. Frankenberger ist es sinnvoller existierende Prozesse in ein modernes Umfeld zu übertragen, als aktuelle Systeme einfach zu kopieren.

Am Nachmittag dieses Deutsch-Französischen Tages haben drei Podiumsdiskussionen zwischen Vertretern und Akteuren der Industrie stattgefunden. Nach der Begrüßung von Luc Rémont – Präsident von Gimélec – der die Wichtigkeit der Revolution 4.0 als Chance für die Aufwertung der französischen Industrie wieder betonte, begann die erste Podiumsdiskussion: „Robotik-Automatisierung-Digitalisierung: die Schlüsselfaktoren der Wettbewerbsfähigkeit von morgen?“ Unsere Gastredner zu diesem Thema waren Urs Endress - Präsident von Endress+Hauser France -, Pascal Laurin - Robert Bosch Cross Selling Manager -, Marc Genevois, Geschäftsführer von SAP France - und Marc Fromager - Vize-Präsident von Schneider Electric France. Es hat zu einem interaktiven Austausch der Teilnehmer geführt, indem klargestellt wurde, dass die Industrie 4.0 ein Motor für die Modernisierung der französischen Industrie ist sowie ein Mittel, um sie attraktiver für junge Fachkräfte zu machen. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern ist es auch wesentlich, eine europäische oder sogar internationale Normierung der digitalen Standards zu erzielen. Andererseits fördern die Entwicklungen der Industrie 4.0 eine bessere Kundenorientierung, die zukünftig immer mehr zu flachen Hierarchien führen wird.

Nach Erklärungen, Debatte und Fragen aus dem Publikum konnte die zweite Podiumsdiskussion beginnen. Anja Bukowski - KfW, Direktorin Product Management, Pascal Lagarde - Bpifance, Executive Director für Internationales, Strategie, Forschung und Entwicklung - und Jean-Claude Reverdell – Geschäftsführer von SEW-Usocome – diskutierten die Begleit- und Finanzierungsmöglichkeiten, und wie man den 4.0-Wandel erfolgreich überwinden kann. Sowohl die BPI als auch die Kfw bieten Lösungen für die Innovationsfinanzierung und die Begleitung der Unternehmen in ihren Digitalisierungsprojekten. Letztes Jahr wurden Finanzierungen in Höhe von fast 20 Milliarden €  für Frankreich und Deutschland zugeteilt. Diese Lösungen richten sich besonders an die KMUs, die oft nicht genug Eigenmittel bzw. Eigenkapital haben, um ihren 4.0-Wandel zu finanzieren. So ist die Revolution 4.0 auch für sie möglich und beschränkt sich nicht nur an große Konzerne. Es gibt jedoch Gegenbeispiele, wie der Fall von SEW-Usocome, französisches Kleinunternehmen und Niederlassung eines deutschen Familienunternehmens, das ein neues Werk im Elsass eröffnet hat. Die französische Firma hat die Fabrik eigenfinanziert und diese ist sogar ein „Schaufenster der Industrie 4.0“ geworden.

Im dritten und letzten Teil dieses Nachmittags teilten Hadrien Szigeti - Dassault Systèmes, Direktor der Strategie DELMIA - Thomas Feld – CDO Scheer GmbH- Alain Greffier – Direktor Siemens France - und Yves Verhoeven – Vizedirektor bei der ANSSI – Ideen und Meinungen während der Podiumsdiskussion zum Thema Daten sammeln, vereinheitlichen und austauschen. Abgesehen von der Notwendigkeit harmonisierte Lösungen gemeinsam zu finden, müssen verschiedene Datenebenen erstellt werden, um zu definieren was man sammelt, was man sammeln will und warum. Das Ziel ist, nur die auswertigen Daten zu sammeln: Damit würden die industriellen Architekturen erleichtert. Es ist ebenfalls wesentlich Lösungen zu finden, um über die technologischen und industriellen Kapazitäten direkt verfügen zu können. Unsere Gastredner einigten sich auch darauf, wie wichtig es sei, eine echte europäische Strategie der Digitalisierung zu suchen – und zu finden.

Das Schlusswort wurde Philippe Darmayan – Präsident von ArcelorMittal France und Präsident der „Alliance pour l’Industrie du Futur“ – überlassen. Er hat dabei erneut darauf hingewiesen wie wichtig die Industrie 4.0 für unsere beiden Länder ist, und für Frankreich vielleicht noch mehr als Deutschland, da das seine Positionierung auf neue Technologien weiter zu Herzen nehmen muss, um eine starke französische Industrie zu schaffen. Beim Cocktailempfang wurden alle Diskussionen fortgesetzt und damit wurde der 1. Deutsch-Französische Tag der Industrie 4.0 / Industrie du Futur geschlossen.

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Weitere Informationen zur deutschen Delegation und der zehn Gästeunternehmen der Veranstaltung

Ihre Ansprechpartner für weitere Informationen:

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Wolfgang Krill
+33 (0)1 40 58 35 33

 


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